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Z direkt! 02-2014

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Z direkt! Aktiv Klaus-Dieter Scholz und Nicole Munk leiten die Projektgruppe "Zeitarbeit 2030". Herausforderungen für die Zeitarbeit Die Arbeitswelt 2030 im Blick „Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.“ Mit dieser Feststellung, die dem Schriftsteller Mark Twain zugeschrieben wird, ist eine besondere Herausforderung der neuen iGZ-Projektgruppe „Zeitarbeit 2030“ treffend beschrieben. Denn die Teilnehmer müssen sich zumindest in den großen Entwicklungslinien des Arbeitsmarktes auf ein Szenario einigen, das sie für das Jahr 2030 für wahrscheinlich halten. Sie haben sich daher vorgenommen, Antworten auf folgende Fragen zu finden: Wie entwickelt sich die Arbeitswelt der Zukunft? Welche Trends in der Arbeitsorganisation sind absehbar? Was bedeutet das für die Zeitarbeit? Welche Schlussfolgerungen müssen Personaldienstleister für sich daraus ziehen? Die Antwort auf die erste Frage legt die Grundlage dafür, alle weiteren überhaupt erst fundiert beantworten zu können. Klar ist, dass sich die Zahl der zur Verfügung stehenden Arbeitskräfte („Erwerbspersonenpotenzial“) aufgrund der demografischen Entwicklung deutlich verringern wird. Die Bundesagentur für Arbeit geht bis 2025 von einem Rückgang um 6,5 Millionen Arbeitskräften aus (von 44,6 Millionen auf 38,1 Millionen). Bis 2050 wird sich dieser Wert noch dramatischer entwickeln: Dann sieht die BA ein Erwerbspersonenpotenzial von nur noch 27 Millionen. Schätzungen für eine konkrete Fachkräftelücke gehen von 2 Millionen (bis 2020 nach McKinsey) bis 5,2 Millionen (bis 2030 nach Prognos) aus. Um es vorweg zu nehmen: Sowohl Fachkräfte- als auch Erwerbspersonenlücke lassen sich selbst mit größeren Maßnahmebündeln vermutlich nicht vollständig schließen. Wie können Unternehmen auf einen so ausgeprägten Fachkräftemangel reagieren? Im Prinzip gibt es nur zwei Möglichkeiten: den Verzicht auf Aufträge und damit einhergehend den Rückgang von Investitionen, oder die Verdichtung von Arbeit und zusätzliche Automatisierung. Nur Letzteres würde wohl gleichzeitig auch als Innovations- und Wachstumsbremse wirken. Weitere Veränderungen sind in diesem Zusammenhang denkbar. So ist es wahrscheinlich, dass sich die Wertschöpfungskette in den Unternehmen weiter verändern wird. Der Anteil der Wertschöpfung, die durch 24

Aktiv Z direkt! Zulieferer und ausgelagerte Dienstleistungen erbracht wird, wird weiter steigen. Die Bedeutung des Projektgeschäfts – und damit auch des Projektmanagements in den Unternehmen – wird zunehmen. Anteil der Unternehmen, die eine systematische und langfristige Personalplanung durchführen Neben den Veränderungen in den Anforderungen der Einsatzunternehmen werden sich auch die Ansprüche der Mitarbeiter verändern. Schon heute sprechen die Gewerkschaften davon, dass Arbeitszeitflexibilität ein wichtiges Thema für die Zukunft sein wird. Lebensphasenorientierte Arbeitszeitgestaltung wird an Bedeutung gewinnen. Je größer der Mangel an Arbeitskräften wird, desto leichter können Mitarbeiter in zukünftigen Verhandlungen maßgeschneiderte Arbeitsbedingungen vereinbaren. Das Gehalt wäre dann nur noch eine Stellschraube von mehreren. Für die Einsatzunternehmen würde das einen gestiegenen Flexibilisierungsbedarf mit Blick auf das Personal nach sich ziehen. Schaut man auf die Ergebnisse des IW-Personalpanels 2013, wonach eine langfristige Personalplanung selbst bei großen Unternehmen nicht die Regel ist, so ist klar, dass die personalwirtschaftliche Kompetenz und Erfahrung von Zeitarbeitsunternehmen in Zukunft ganz besonders gefragt sein dürfte. Marcel Speker 45,2% 53,0% 5-49 Beschäftige 50-249 Beschäftige ab 250 Beschäftige Gesamt 27,1% 29,3% Quelle: IW-Personalpanel Die neue iGZ-Projektgruppe "Zeitarbeit 2030" Die iGZ-Projektgruppe „Zeitarbeit 2030“ hat im Mai ihre Arbeit aufgenommen. Ziel ist es, innerhalb eines Jahres einen Abschlussbericht vorzulegen, der für die Mitgliedsunternehmen im Verband als Handlungsleitfaden für die Ausrichtung auf die strukturellen Arbeitsmarktherausforderungen der Zukunft dienen kann. Dabei steht die praktische Anwendbarkeit von Maßnahmen im Vordergrund. In die Arbeit der Projektgruppe wird nach Bedarf externer Sachverstand eingebunden. So wurden Expertisen des Instituts der deutschen Wirtschaft, des Instituts für angewandte Arbeitswissenschaften und verschiedener Untersuchungen der Bundesagentur für Arbeit, der Hochschule für angewandte Wissenschaften in München sowie der Robert Bosch-Stiftung in die Arbeit der Projektgruppe mit eingebunden. Zu einzelnen Themenbereichen wird die Diskussion mit Wissenschaftlern und Praktikern gesucht. Die Mitglieder der Projektgruppe wählten Nicole Munk (GMW Personaldienstleistungen GmbH) zu ihrer Sprecherin. Als stellvertretenden Sprecher wählten sie Klaus-Dieter Scholz (Blau und Scholz Consulting Group). Aus dem iGZ-Hauptamt begleitet und koordiniert iGZ-Kommunikationsleiter Marcel Speker die Arbeit der Projektgruppe. 25

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