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Z direkt 01-2016

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Z direkt! Titelthema beiter bei höherem Gehalt wesentlich motivierter ans Werk gehen.“ Branchenzuschläge ab dem ersten Tag Davon kann auch Robert Cwiklinski ein Liedchen singen. Der Groß- und Außenhandelskaufmann arbeitet seit zwei Jahren bei einem Kranservice-Betrieb in Duisburg und profitiert davon, dass dieses Unternehmen den Zeitarbeitnehmern bereits ab dem ersten Tag den vollen Branchenzuschlagssatz bezahlt. Aus gutem Grund: „Die Firma hat sich auf die Fahnen geschrieben, nur die besten Arbeitskräfte beschäftigen zu wollen und zahlt deshalb auch die höchsten Löhne“, erklärt Wiesner. Effekt: Die Fachkräfte reißen sich darum, bei diesem Unternehmen einen Arbeitsplatz zu ergattern. „Das hat nicht zuletzt auch mit dem zunehmenden Fachkräftemangel zu tun“, sind sich die Geschäftsführer sicher. Unersetzlich in dieser Position Cwiklinski ist ein solcher Glückspilz, der das Kundenunternehmen überzeugte – dafür muss er aber auch entsprechend Leistung bringen: „Die Einarbeitung hat eine Weile gedauert, weil das Unternehmen viele Produkte hat“, erinnert er sich. Den Job empfinde er als sehr attraktiv, und er fühle sich dort sehr wohl. Unter anderem kümmert sich der 39-Jährige um die Einsatzsteuerung der Kranmonteure – „also leistet ein Personaldienstleistender quasi Personaldienst in seinem Einsatzbetrieb“, schmunzelt Serek. Mit nicht zu unterschätzenden Auswirkungen: Cwiklinski kennt mittlerweile Gott und die Welt – hat unzählige Kontakte geknüpft und für die Kranmonteure des Unternehmens ein riesiges Einsatznetzwerk geknüpft. „Er ist eigentlich unersetzlich in dieser Position“, stellt Wiesner anerkennend fest. Freundschaften gingen verloren Auch für den Mülheimer ist die Situation ähnlich wie für Akca. Der amerikanische Mutterkonzern des Kranservice-Betriebs schafft nicht einfach neue Arbeitsplätze, nur weil jemand gut ist. Hier werde streng nach Personalkonzept agiert – der Groß- und Außenhandelskaufmann habe also erst eine Chance auf Übernahme, wenn ein Mitarbeiter des Stammpersonals ausscheide und dadurch die passende Planstelle vakant werde. Der 39-Jährige fürchtet sich also ebenfalls vor der Gesetzeskeule und weist noch auf den sozialen Aspekt hin: „Wenn ich den Arbeitsplatz nach 18 Monaten verlassen müsste, gingen auch soziale Kontakte verloren“, erinnert er in diesem Zusammenhang an gemeinsame Freizeitaktivitäten wie etwa den Betriebssport. Das Loch im Portemonnaie hätte auch bei ihm noch gar nicht abzusehende Folgen: „Eine längerfristige Lebens- und Familienplanung ist mit einer solchen Gesetzgebung überhaupt nicht mehr möglich“, betont Cwiklinski enttäuscht. Er sei gerade erst umgezogen und müsse jetzt um die neue Wohnung fürchten. Osman Akca und Robert Cwiklinski sind einer Meinung: „Finanziell würden wir diese Regelung nicht verkraften.“ Wolfram Linke Finanzielle Folgen Anhand eines praktischen Beispiels verdeutlichen sich die Auswirkungen einer geplanten Höchstüberlassungsdauer für die Zeitarbeitnehmerschaft. Der Industriemechaniker Osman Akca wird von seinem Arbeitgeber GEO-MONT Personaldienste GmbH gemäß Entgeltstufe 4 inklusive Zulage des iGZ-DGB-Tarifvertrages entlohnt. Unterm Strich zahlt GEO-MONT etwas mehr, so dass Akca einen Stundenlohn von 11,75 Euro hat. Obendrauf kommt der Branchenzuschlag Metall & Elektro, mit dem er auf der höchsten Stufe ist – macht insgesamt einen Stundenlohn von 17,42 Euro (brutto). Müsste der 47-Jährige nach 18 Monaten seinen Arbeitsplatz verlassen, würde er wieder auf das Eingangsgehalt – also 11,75 Euro – zurückfallen. Die erste Erhöhung aus den Branchenzuschlägen gäbe es dann frühestens nach sechs Wochen, vorausgesetzt, sein Arbeitgeber findet für ihn wieder einen vergleichbaren Arbeitsplatz, für den auch Branchenzuschläge gezahlt werden. Über neun Monate hinweg würde sich dann sein Gehalt an die Entlohnung des Stammpersonals angleichen, weitere neun Monate später wäre er wieder bei „Null“. Finanziell noch schlechter gestellt wäre Akca, wenn er erst nach neun Monaten, wie in der Koalitionsvereinbarung formuliert, Equal Pay bekäme. Das ist aber noch nicht der Pläne letzter Unfug: Würde der Mitarbeiter nach 18 Monaten mangels Folgejob arbeitslos, bekäme er bei 67 Prozent Arbeitslosengeld vom letzten Nettoeinkommen immer noch circa 100 Euro mehr, als wenn er wieder in Entgeltstufe 4 ohne Branchenzuschläge arbeiten würde. 14

Z direkt! Lange Beschäftigungszeiten sind für Peter Beurlen, Geschäftsführer des iGZ-Mitglieds Graeber & Partner, Alltag: Sein Mitarbeiter Thomas Goßling (r.) arbeitet seit insgesamt neun Jahren für das Unternehmen. Geplante Höchstüberlassungsdauer als praxisfern kritisiert Gründe für Zeitarbeit fallen durch Gesetz nicht weg Die Große Koalition plant, Zeitarbeitseinsätze auf 18 Monate zu begrenzen. Welche Folgen hat das für Unternehmen, die sich auf langfristige Einsätze spezialisiert haben? „Wir werden unsere internen Strukturen so nicht beibehalten können“, blickt Peter Beurlen, Geschäftsführer des iGZ-Mitglieds Graeber & Partner, eher skeptisch in die Zukunft. Jahrelange Einsätze sind für die Mitarbeiter des iGZ- Mitglieds Alltag. „Zum Glück“, findet Thomas Goßling, der seit insgesamt neun Jahren als Elektro-Installateur für das Münsteraner Unternehmen arbeitet. „Ich fühle mich in dem Kundenbetrieb sehr wohl, habe einen unbefristeten Arbeitsvertrag und damit auch Planungssicherheit. Was will ich mehr?“, fragt der 34-jährige Familienvater. Lange Betriebszugehörigkeiten „Im Durchschnitt sind unsere Mitarbeiter zweieinhalb Jahre im selben Einsatz“, berichtet Beurlen. Für die Beschäftigungszeiten im Zeitarbeitsunternehmen be- 15

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