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Z direkt 01-2016

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Z direkt! Titelthema Gesetzentwurf zur Regulierung des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes Zeitarbeitskräfte erwarten fatale finanzielle Folgen Mit einer gesetzlichen Begrenzung der Höchstüberlassungsdauer auf 18 Monate und gleiche Bezahlung (Equal Pay) nach neun Monaten will die Regierungskoalition den Missbrauch von Zeitarbeit einschränken. Doch was würde eine erneute Novellierung des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes (AÜG) in der Praxis bedeuten? Wie würde sich die Regulierung für die Zeitarbeitnehmer konkret auswirken? „Für mich wäre das absolut verheerend“, stellt Osman Akca, Mitarbeiter des iGZ-Mitgliedsunternehmens GEO-MONT Personaldienste GmbH, sachlich fest. Der 47-Jährige ist seit fünf Jahren bei einem großen Elektrokonzern in Ratingen als Zerspanungsmechaniker eingesetzt. „Wenn ich nach 18 Monaten von meiner Arbeit abgezogen worden wäre, hätte ich anschliessend rund 900 Euro weniger bekommen“, zeichnet er die praktischen Auswirkungen einer Höchstüberlassungsdauer nach. Neben dem Tariflohn erhält er auch den Branchenzuschlag für Metall & Elektro, nach dem das Entgelt stufenweise über neun Monate an den Lohn der Stammmitarbeiter angepasst wird. Doch das, so Akca, sei nur ein Aspekt von vielen: „Woher weiß ich, dass mein Arbeitgeber für mich nach den 18 Monaten einen anderen Job hat?“, fragt er in Richtung Politik. Im schlimmsten Fall sei er danach sogar arbeitslos, fürchtet der gelernte Industriemechaniker die Auswirkungen der Regulierung. Voll angekommen Dirk Wiesner (r.) erläutert Osman Akca die Sicherheitsbestimmungen an seinem Arbeitsplatz im Einsatzbetrieb. Hinzu komme, dass in den fünf Jahren beim Kundenunternehmen ein echtes Team zusammengewachsen sei: „Ich bin in meiner Abteilung unter den Kollegen voll angekommen“, verweist Akca auf die gute Zusammenarbeit mit dem Stammpersonal. Faktoren, die nicht von heute auf morgen entstehen: Zwei Jahre, schätzt er, habe es gedauert, bis die Zusammenarbeit perfekt lief. Zudem habe es auch eine Zeit gedauert, bis er hundertprozentig eingearbeitet war. Übernahmechancen steigen Nun möchte das Kundenunternehmen auf ihn auch nicht mehr verzichten – und daher gibt es einen wei- 12

Titelthema Z direkt! GEO-MONT-Geschäftsführer Christian Serek und Dirk Wiesner besprechen mit den Zeitarbeitskräften Osman Akca und Robert Cwiklinski (v.l.) die Einsatzplanung für die nächste Woche. „In der Praxis sieht das aber ganz anders aus, jedes Jahr werden Zeitarbeitnehmer ins Stammpersonal übernommen“, berichtet Serek aus der täglichen Routine. Da wundere es auch nicht weiter, dass die Branchenzuschlagstarifverträge von den Kunden längst voll akzeptiert seien. Wiesner: „Die Zuschläge werden von den Unternehmen sogar begrüßt, weil die Mitarteren wesentlichen Aspekt, der bei den Überlegungen zu einer Begrenzung der Überlassungsdauer offenbar vollkommen ignoriert wurde: Mit zunehmender Dauer des Einsatzes steigt für den Zeitarbeitnehmer auch die Chance auf Übernahme in den Kundenbetrieb. „Ein Unternehmen schafft nicht einfach mal eben eine neue Stelle, auch nicht wenn jemand qualifiziert und zuverlässig ist“, erläutern die GEO-MONT-Geschäftsführer Dirk Wiesner und Christian Serek. Tür wäre endgültig zu Wenn aber jemand aus dem Stammpersonal – aus welchen Gründen auch immer – aus dem Unternehmen ausscheide, werde gerne vor allem auf die schon länger im Betrieb tätigen Zeitarbeitnehmer zu- rückgegriffen. „Diese Tür“, so Wiesner, „wäre dann endgültig zu.“ Und dabei wüssten die Kundenunternehmen sehr genau um die Qualitäten der Zeitarbeitnehmer: In dem Elektrokonzern beispielsweise existiere eine Betriebsvereinbarung, Zeitarbeitnehmer nicht zwangsläufig übernehmen zu müssen. Branchenzuschläge längst akzeptiert 13

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