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FACHMAGAZIN ZEITARBEIT | AUSGABE 04 | 2014

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Z direkt! Titelthema In der Zeitarbeit spielen Sprachkenntnisse und Behinderung keine Rolle Motivation ist die halbe Miete Wolfgang Domenghino zückt Zettel und Stift. Neugierig schaut Tim Hindersmann, was sein Chef zu Papier bringt, nickt dann, streckt demonstrativ seinen Daumen in die Höhe und strahlt in die Kamera. Natürlich hat er nichts dagegen, fotografiert zu werden. Zugucken gelernt, im Zweifel wird geschrieben. Auch die Kommunikation innerhalb des Teams laufe problemlos. Hindersmann teilt sich seinen Arbeitsplatz mit einem Schweden, der noch nicht viel Deutsch spricht. Der hat inzwischen begonnen, erste Begriffe in Gebärdensprache zu lernen. „Die beiden kommunizieren im wahrsten Sinne des Wortes mit Händen und Füßen“, schmunzelt Domenghino. Praktikum brachte Sicherheit Tim Hindersmann arbeitet seit Sommer dieses Jahres im Münsteraner Unternehmen GeBioM mbH, einem Hersteller für Druckmesssysteme. Dass er taubstumm ist, stört dabei überhaupt nicht. „Natürlich war ich überrascht, als das Zeitarbeitsunternehmen mich anrief und mir mitteilte, es habe einen passenden Mitarbeiter gefunden – der sei allerdings taubstumm“, räumt Domenghino ein. „Bedenken hatte ich aber nie.“ Kommunikation mit Händen und Füßen Zum Vorstellungsgespräch erschien Tim Hindersmann in Begleitung eines Gebärdendolmetschers. Im laufenden Betrieb ist das aber nicht nötig. „Tim lernt sehr schnell“, zeigt sich Domenghino mit seinem neuen Schützling zufrieden. Viel habe er durch bloßes Zunächst absolvierte Hindersmann ein zweiwöchiges Praktikum im Münsteraner Unternehmen. Dabei zeigte sich schnell: Das passt. „Jeder braucht eine Einarbeitungszeit, das ist ganz normal. Aber in den zwei Wochen habe ich gemerkt, dass Tim das hinkriegen wird“, erinnert sich Domenghino. Und das, obwohl die neue Tätigkeit für Hindersmann eine Herausforderung ist. Bislang hatte sich der gelernte Schlosser mehr mit „groben“ Arbeiten beschäftigt. „Mit Quereinsteigern habe ich aber überhaupt kein Problem“, schmunzelt Domenghino, der selbst eigentlich Sportund Erdkundelehrer ist. Das Geschäftsfeld seines Unternehmens sei so speziell, dass es ohnehin keine klassische Berufsausbildung dafür gebe. Menschlich ins Team passen „Ob jemand behindert ist oder schon etwas älter, ob er schlechte Deutschkenntnisse hat oder was auch immer – wenn jemand motiviert ist, dann ist das schon die halbe Miete“, findet Domenghino. Die Mitarbeiter müssten vor allem menschlich gut ins Team passen. Und sollte sich dann herausstellen, dass die ursprüngliche Tätigkeit doch nicht so sehr zum neuen Mitarbeiter passt, „dann haben wir auch noch genügend andere Aufgaben.“ Maren Letterhaus 12

Titelthema Z direkt! Übernahme meist in Anschluss an ersten Kundeneinsatz Klebeeffekt ist gute Werbung für Zeitarbeit Zwar beweist jede Übernahme, wie passgenau die Zeitarbeitsfirma den perfekten Mitarbeiter für das Kundenunternehmen ausgewählt hat. Doch dieser Werbung für die Qualität der Zeitarbeitsunternehmen steht der Verlust eines guten Mitarbeiters gegenüber. Laut iGZ-Mittelstandsbarometer wechseln regelmäßig zwischen 30 und 40 Prozent der Mitarbeiter, die das Zeitarbeitsunternehmen verlassen, direkt im Anschluss zum Kundenbetrieb. Das Forschungsinstitut SI GmbH untersuchte diesen Klebeeffekt und fand heraus: Sowohl für das Image der Zeitarbeit und des eigenen Unternehmens als auch für die Kundenbindung hat der Klebeeffekt (sehr) positive Auswirkungen. Darum erheben auch nur 20 Prozent der Zeitarbeitsunternehmen eine Übernahmeprovision. Für die Zukunft erwarten die Unternehmen, dass der Klebeeffekt steigen wird. Die Übernahme erfolgt in den allermeisten Fällen in Anschluss an den ersten Einsatz beim jeweiligen Kundenunternehmen (75,2 Prozent). In 29,8 Prozent der Fälle ist der Mitarbeiter zu diesem Zeitpunkt seit sieben bis zwölf Monaten im Kundenunternehmen tätig. Weitere 15,4 Prozent arbeiteten bis zur Übernahme mehr als 18 Monate im Betrieb mit, 13 Prozent sogar länger als drei Jahre. Dabei gibt es laut SI GmbH verschiedene Faktoren, die die Übernahmechance von Zeitarbeitskräften beeinflussen. Die Erfahrungen der befragten Zeitarbeitsunternehmen zeigen, dass gerade die Mitarbeiter übernommen werden, die motiviert, einsatzwillig, pünktlich und zuverlässig waren. Besonders bei Personen ohne Berufsausbildung werde honoriert, wenn sie mehr Einsatz zeigen, als von ihnen erwartet wurde. Zudem sei es wichtig, sich gut ins Team einzugliedern. Maren Letterhaus Wie lange dauerte der Einsatz im Kunden unternehmen, bis eine Übernahme stattfand? Dauer Anzahl > 18 Monate 28,9% 75,2% 13 – 18 Monate 13,5% 7 – 12 Monate 4 – 6 Monate 14,4% 29,8% 24,8% ≤ 3 Monate 13,5% 1 Einsatz > 1 Einsatz Quelle: Befragung von Zeitarbeitskräften mit Klebeeffekt in NRW, Soziale Innovation GmbH 13

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