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CSR-Leitfaden-2020

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22 DER MEHRWERT VON

22 DER MEHRWERT VON CSR IN DER ZEITARBEIT Kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) meinen gelegentlich, CSR sei als kommunikative Aufgabe für sie leicht zu lösen, da sie sich seit jeher gesellschaftlich engagierten. Können sie also auf einen strukturierten Ansatz verzichten? Ein strukturierter Ansatz ist in jedem Fall zu empfehlen, weil vielerlei CSR-Aspekte relevant sein können und ein ausgewogenes Handeln erfordern, wenn z. B. Interessenskonflikte zwischen verschiedenen Stakeholdern auftreten. Einzelmaßnahmen etwa zur Förderung gesellschaftlicher Projekte am Standort reichen jedenfalls nicht, um den komplexen Anforderungen gerecht zu werden. Grundsätzlich gilt: Gesellschaftliches Engagement, als Corporate Citizenship verstanden, stellt hauptsächlich auf Spenden, Sponsorings oder Stiftungsaktivitäten ab. Es deckt damit nur einen sehr kleinen Teil der CSR-Aspekte ab. Zudem macht es Sinn, auch diese Aktivitäten strukturiert anzugehen und in eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie einzubetten. Unsere Erfahrung besagt zudem, dass Kommunikationsdefizite im CSR-Bereich meist nicht nur auf eine mangelnde Darstellung zurückgehen. Nachhaltigkeitskommunikation muss eine Verankerung im Unternehmen haben, z.B. durch entsprechende Commitments der Unternehmensleitung, Managementansätze und Controlling-Prozesse. Sie muss zudem faktenbasiert, belegbar und auf Dauer angelegt, kurz: strukturiert sein, damit sie nicht verpufft. Welche konkreten Anknüpfungspunkte und Möglichkeiten der Umsetzung sehen Sie in der Branche? Die Erfahrung zeigt, dass nicht jedes Unternehmen alle Aspekte bedienen muss. Für die Zeitarbeitsbranche scheint uns eine Konzentration auf Themen wie die folgenden ein sinnvoller Ausgangspunkt zu sein: Arbeits- und Menschenrechte (im umfassenden Sinne der UN-Prinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte bzw. des NAP) Arbeitgeberattraktivität (Vergütung, Diversity, Arbeitskultur, Weiterbildung, Darstellung auf Job- Suchmaschinen) Arbeitsschutz und Gesundheit Verantwortungsvolle Unternehmensführung (Governance, Compliance, Antidiskriminierung und Gleichstellung, Antikorruption, Beschwerdemanagement, Datenschutz) Entwicklungsmöglichkeiten für Mitarbeiter Umwelt- und Klimaschutz für die eigenen Geschäftsprozesse (Fußabdruck der Arbeitswege, Dienstreisen, Einsparpotenzial von Homeoffice) Eine solche Liste kann aber nur ein erster Schritt sein. Die Themenauswahl sollte methodisch abgesichert werden, beispielsweise indem geklärt wird, wer welche Anforderungen und Erwartungen an das Unternehmen stellt. Dies lohnt sich auch deshalb, weil die Arbeit an den Themen der Stakeholder zur Professionalisierung der eigenen Prozesse, Strukturen und Netzwerke beitragen kann. Wie KMU hierbei vorgehen können, beschreibt der vorliegende Leitfaden ab Seite 26. Viele unserer Kunden berichten in diesem Zusammenhang über positive Auswirkungen auf die Mitarbeiterbindung, die Produktqualität und das Vertrauen ihrer Finanzpartner.

Zeitarbeit mit Verantwortung – Ein Leitfaden für iGZ-Mitglieder DER MEHRWERT VON CSR IN DER ZEITARBEIT 23 Wie kann CSR die Branche stärken? CSR steht für einen transparenten Umgang mit Problemen. Das künftige Image der Branche wird davon abhängen, ob es den Personaldienstleistern gelingt, offen über Herausforderungen zu sprechen und zu zeigen, wie diese angegangen werden. Unternehmen mit jahrelanger Erfahrung in CSR-Strategien etwa in der Pharmabranche oder der Energiewirtschaft können hierfür als Vorbild dienen. Bewährt hat sich z. B., Zielkonflikte zwischen Stakeholder-Erwartungen darzulegen, um sich als Teil der Lösung zu profilieren. Für die Zeitarbeit könnte z. B. ihre Funktion als Flexibilitätsreserve bei Marktschwankungen ins Feld geführt werden, der zuliebe Nachteile bei der Beschäftigungssicherheit in Kauf zu nehmen seien. Transparenz bedeutet auch, offen über die Grenzen der eigenen Nachhaltigkeitsanstrengungen zu berichten und Allianzen zur Lösung von Problemen zu schmieden. CSR bietet sich hierfür als Dach an. Ministerien arbeiten gern mit solchen Bündnissen zusammen. Diese gelten als konstruktiv und haben in der Öffentlichkeit ein positives Image. Das deutsche Bündnis für nachhaltige Textilien ist ein gutes Beispiel hierfür. In der Zeitarbeitsbranche könnten ähnliche Kooperationen geschlossen werden, beispielsweise für ethische Standards in Überlassungsverträgen. Möglich scheinen mir auch Vorhaben wie die Schaffung eines freiwilligen Rahmens für Zeitarbeit in der Pflege oder Lösungen zur Vermeidung von Arbeitslosigkeit nach dem Auslaufen eines Überlassungsvertrags. Innovationspartnerschaften und gemeinsame Studien bieten weitere

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