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Ausgabe 4/2006:

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| 8 9 | ZUBILIS ZUBILIS

| 8 9 | ZUBILIS ZUBILIS DIE ZEIT SINNVOLL NUTZEN Qualifizierte Haftentlassene können Wettbewerbsvorteile sichern Der Brockhaus definiert ein Vorurteil als eine kritiklos übernommene Meinung, die einer sachlichen Argumentation nicht standhält. So, wie die Äußerung: „Haftentlassene? – Die landen doch alle bei dubiosen Drückerkolonnen!“ – Denn die sachliche Argumentation zeigt, dass mittlerweile in den Justizvollzugsanstalten (JVA) die berufliche Weiterbildung groß geschrieben wird. Und dies aus gutem Grund, denn die berufliche Wiedereingliederung Haftentlassener trägt erheblich zur Senkung ihres Rückfallrisikos bei. Nach Angaben des NRW-Justizministeriums funktioniert die Re-Integration über Zeitarbeit besonders gut und die Arbeitgeber haben vielfältige Chancen, unter den qualifizierten Absolventen der Justizvollzugsanstalten Arbeitskräfte für den eigenen Bedarf zu finden. Energie-Elektroniker, Zerspanungsmechaniker, Schweißer - das sind nur einige der Berufsbilder, die ein Inhaftierter in einer JVA lernen kann. Die Wirtschaft im Allgemeinen und Zeitarbeitsunternehmen im Besonderen suchen im Moment diese Facharbeiter händeringend. Um diese beiden Seiten zusammen zu bringen, engagiert sich der Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ) als ZUBILIS-Projektpartner. Er stellt Kontakte zwischen der Entlassungs- und Nachsorgeeinrichtung MABiS.NeT und somit potenziellen Arbeitnehmern und den Zeitarbeitgebern her. Ziel dabei ist es, ein Übergabeverfahren zu entwickeln, das der dynamischen Zeitarbeitsbranche gerecht wird und es ermöglicht, auch Haftentlassene oder Freigänger schnell und reibungslos einzusetzen. Doch immer noch stehen einer Einstellung von Haftentlassenen durch die Zeitarbeit im großen Stil viele kleine Vorurteile im Weg. „Einmal Knacki, immer Knacki - Von solchen Pauschalurteilen halte ich nichts“, sagt iGZ-Bundesgeschäftsführer Werner Stolz mit Blick auf die Statistiken des nordrheinwestfälischen Justizvollzuges. Denn bei Haftentlassenen, die in ihrem Ausbildungsberuf arbeiten, liegt die Gefahr eines Rückfalles um 65 % niedriger als bei arbeitslosen Haftentlassenen ohne Berufsausbildung. Und auch der stellvertretende iGZ-Bundesvorsitzende Georg Sommer stellt fest: „Jeder sollte die Chance zu einem Neuanfang haben.“ Und nach Ansicht des iGZ-Regionalkreisleiters für die Region Ruhrgebiet IV, Thomas Altmann, sind die Risiken eines Rückfalls im beruflichen Umfeld minimierbar: „Natürlich würde ich jemanden, der wegen Betruges gesessen hat, nicht als Buchhalter einstellen. Aber solche Aspekte kann man vorher ausschließen. Bei Haftentlassenen muss das Matching auch in dieser Hinsicht passen.“ Ein weiteres, weit verbreitetes, Vorurteil betrifft die Zuverlässigkeit der Mitarbeiter. Ein Problem, das sich jedoch nach Ansicht der Sprecherin der iGZ-Landesbeauftragten, Gabi Brinkmann, nicht auf diese Personengruppe reduzieren lässt: „Dass jemand nicht pünktlich zur Arbeit erscheint, kann einem mit jedem Arbeitnehmer passieren. Das muss kein Haftentlassener sein.“ Und auch Georg Sommer ergänzt: „Wir Arbeitgeber brauchen Leute, die fachlich kompetent sind und die üblichen Umgangsformen beherrschen. Das Anforderungsprofil des Unternehmens und das Persönlichkeitsprofil müssen passen.“ Das schließe auch die Verlässlichkeit mit ein. 3 Fragen von Z direkt! an: Michael Metzner, Leitender Regierungsdirektor und Leiter der JVA Geldern Was entgegnen Sie auf die Äußerung „Wer einmal auf die schiefe Bahn gerät, sinkt leicht immer tiefer“? Michael Metzner: Wie das Sprichwort schon sagt, kann das der Fall sein, muss aber nicht. Viele Straftäter betrachten ihre Inhaftierung auch als Chance zu einem Ausstieg aus diesem Kreislauf und zu einem Neuanfang. Es ist die Aufgabe des Strafvollzuges, diese Erkenntnis zu wecken oder zu verstärken und den Gefangenen die Hilfestellung zu geben, die ihnen zukünftig ein Leben ohne Straftaten ermöglicht. Zahlt sich die Ausbildung von Straftätern während ihrer Haft überhaupt aus? Metzner: Die Ausbildung von Straftätern setzt bei einem der maßgeblichen Faktoren an, die in die Kriminalität führen. Das ist der Mangel an beruflicher Bildung. Berufsbildungsmaßnahmen fördern anerkannter Maßen die Eingliederung von Straftätern in die Gesellschaft und senken das Rückfallrisiko. Die Finanzierung beruflicher Bildung in der Haft ist damit eine Rechnung, die aufgeht. Was bringt ZUBILIS? Metzner: Eine Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen dem Strafvollzug und den Zeitarbeitsfirmen zur Förderung der beruflichen Bildung und zur Vorbereitung der Entlassung von Gefangenen erscheint mir – auch aus meinen Erfahrungen als Leiter der offenen Haftanstalt Moers-Kapellen heraus – sinnvoll und Erfolg versprechend. Häftlinge werden in den JVA zu Facharbeitern ausgebildet. Durch die Mitarbeit im Projekt ZUBILIS komme der iGZ seiner sozialen Verantwortung als Arbeitgeberverband nach, erklärt Werner Stolz. Einerseits werde dabei der wirkungsvolle Einsatz von Zeitarbeit als Brücke in den Arbeitsmarkt aufgezeigt. Andererseits könnten die Branchenpotenziale als Instrumente zur Integration Haftentlassener dienen. „Der iGZ möchte dafür Sorge tragen, dass die Ausbildung von Strafgefangenen auf den Arbeitsmarkt-Bedarf zugeschnitten ist“, so der Verbandsgeschäftsführer. „Es bringt nichts, am Markt vorbei zu qualifizieren, schließlich müssen die Haftentlassenen auch eine Stelle finden, wenn sie ihre Ausbildung in der Tasche haben“, fasst er die Ziele der Projektarbeit zusammen. Was ist ZUBILIS? ZUBILIS steht für „Zukunft der Bildung im Strafvollzug des Landes Nordrhein-Westfalen“. Gefördert wird die zweijährige Entwicklungspartnerschaft durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds. Ziel von ZUBILIS ist die Entwicklung und Erprobung von Modernisierungskonzepten im Strafvollzug, mit denen Haftentlassene in den Arbeitsmarkt integriert werden können. Der iGZ ist operativer Projektpartner mit eigenen Teilaufgaben. Der Verband und seine Mitglieder bringen Fachkompetenzen ins Spiel, die die Arbeitsmarktnähe und den Nutzen von Wiedereingliederungsmaßnahmen steigern. Ansprechpartner für das Projekt beim iGZ sind RA Stefan Sudmann und Dr. Jenny Rohlmann. Z direkt! Z direkt!

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