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Ausgabe 4/2006:

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| 10 11 | Exklusiv-Interview mit Heinrich Alt Exklusiv-Interview mit Heinrich Alt STANDORT DEUTSCHLAND: ATTRAKTIVER DURCH ZEITARBEIT Herr Alt, was sind die Gründe für den starken Anstieg der Zeitarbeit in den vergangenen Jahren? Heinrich Alt: Der Anstieg der Zahl der Zeitarbeitnehmer sowie die wachsende Dynamik der Branche können neben anderen Einflussfaktoren auf die Liberalisierung des Arbeitnehmerüberlassungsrechts, die konjunkturelle Erholung seit 2004 sowie die verstärkte Inanspruchnahme von Transfergesellschaften zurückgeführt werden. Neben dem Verleih in andere Organisationseinheiten innerhalb des Unternehmens werden Mitarbeiter von Transfergesellschaften aktiv bei der Suche nach einem Arbeitsplatz bei anderen Arbeitgebern unterstützt und erhöhen so die Anzahl der Zeitarbeitnehmer. Auch haben Personal-Service-Agenturen und die flächendeckende Einführung von Tarifverträgen zu einem erheblichen Imagegewinn der Branche beigetragen. Ein weiterer Grund, warum Die Zusammenarbeit von Zeitarbeit und Bundesagentur für Arbeit bewerten nicht wenige Zeitarbeitsunternehmer als ausbaufähig. Dabei verfolgen beide ähnliche Ziele, wenngleich mit unterschiedlichen Motivationen – nämlich Menschen und Arbeitsplätze zusammen zu bringen. Der iGZ-Arbeitskreis „Arbeitsmarktpolitische Projekte“ setzt hier unter der Leitung von Dr. Klaus Enders einen Schwerpunkt. Über Gemeinsamkeiten, Herausforderungen und die Branche allgemein sprach die Z direkt! jetzt exklusiv mit dem Vorstand der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg, Heinrich Alt. mehr Unternehmen ihr Personal über Zeitarbeitsfirmen akquirieren, dürfte die Rechtsunsicherheit über die Zukunft des Kündigungsschutzes sowie beim Abschluss von befristeten Arbeitsverträgen sein. Wie sehen Sie die Rolle der Zeitarbeit auf dem Arbeitsmarkt als Integrationsinstrument? Was kann Zeitarbeit besonders bei der Integration von Problemgruppen wie einfach Qualifizierte, Jüngere und Ältere leisten? Alt: Zeitarbeit ist ein zentrales Integrationsinstrument für Arbeitslose. Sie bietet Beschäftigungschancen vor allem für Ausländer, Jugendliche und Niedrigqualifizierte. Der Anteil älterer Zeitarbeitnehmer ist in den letzten Jahren stetig gestiegen. So wurden etwa 1997 17,5 % aller Verträge mit über 45-Jährigen abgeschlossen. Im Jahr 2005 ist dieser Anteil auf 21,4 % gewachsen. Zeitarbeit ist überdies geeignet für Berufseinsteiger, die erste Erfahrungen in verschiedenen Jobs und Branchen sammeln wollen. Auch können Arbeitslose auf diesem Weg ihre Kenntnisse und Fähigkeiten unter Beweis stellen und werden anschließend dann auch vom Kundenunternehmen übernommen. Arbeitslose erhalten immer häufiger die Gelegenheit zu einer Erwerbstätigkeit in Zeitarbeit. So waren in 2005 etwa 61 % der Zeitarbeitnehmer vorher arbeitslos. Das IAB hat jüngst festgestellt, dass Zeitarbeit keine regulären Beschäftigungsverhältnisse verdrängt. Woher kommt aus Ihrer Sicht der Bedarf der Wirtschaft an flexiblen Arbeitskräften? Warum ist es so schwierig, dafür mehr geeignete Arbeitslose zu finden? Alt: Wie bereits erwähnt, dürfte die Diskussion über die Zukunft des Kündigungsschutzes eine Ursache sein, warum Unternehmen zunehmend auf Zeitarbeiter zurückgreifen. Dies gilt insbesondere für Betriebe des verarbeitenden Gewerbes mit hohem internationalen Wettbewerbs- und Kostendruck. Die Zeitarbeit erhöht die Flexibilität dieser Unternehmen und damit die Attraktivität von deutschen Standorten. Die Arbeitsagenturen arbeiten längst eng mit den Zeitarbeitsunternehmen zusammen. Sie bieten häufig auch Einstiegsmöglichkeiten für Langzeitarbeitslose. So waren im Jahr 2005 etwa 12,4 % aller Zeitarbeitnehmer vorher langzeitarbeitslos. Wir hören von Zeitarbeitsunternehmen, dass sie bei den arbeitsmarktpolitischen Förderprogrammen nicht berücksichtigt werden. Gibt es hierfür sachliche Ausschlussgründe? Alt: Zeitarbeitsunternehmen werden im Hinblick auf den Einsatz arbeitsmarktpolitischer Instrumente grundsätzlich wie andere Arbeitgeber behandelt. Eine besondere Regelung für Verleiher ist vom Gesetzgeber bei der Förderung der beruflichen Weiterbildung durch Vertretung vorgesehen. Im Fall des Verleihs beträgt nach § 230 Satz 4 SGB III der Zuschuss 50 Prozent des vom Entleiher an den Verleiher zu zahlenden Entgelts. Bei anderen Arbeitgebern beträgt der Zuschuss mindestens 50 und höchstens 100 Prozent des berücksichtigungsfähigen Arbeitsentgelts. Bald wird es einen deutlichen Fachkräftemangel auf dem Arbeitsmarkt geben. Was kann aus Ihrer Sicht die Zeitarbeitsbranche auf dem Gebiet der Qualifizierung und Weiterbildung dagegen tun? Alt: Obwohl einige Zeitarbeitsunternehmen schon heute in Qualifizierungsmaßnahmen ihrer Mitarbeiter investieren und zum Teil sogar ausbilden, treten sie in der Regel nicht als originäre Bildungsanbieter auf, so dass der Beitrag der Reduzierung des Fachkräftemangels eher in der engen Zusammenarbeit zwischen Zeitarbeitsunternehmen und den Agenturen für Arbeit (AA) vor Ort gesehen wird. Im Rahmen der Beratungs- und Vermittlungstätigkeit werden von den AA vorhandene Qualifikationsdefizite der Arbeitnehmer festgestellt. Unter Berücksichtigung der persönlichen Fähigkeiten des Einzelnen, der arbeitsmarktlichen Bedingungen und des zu erwartenden Eingliederungserfolges wird festgelegt, welches Instrument der aktiven Arbeitsmarktpolitik zum Einsatz kommt. Die Förderung von Weiterbildungen hängt also davon ab, ob diese Maßnahmeart das wirtschaftlichste und für den Einzelfall am besten geeignete Mittel zur Integration in den ersten Arbeitsmarkt darstellt wie § 7 SGB III es regelt. Die Zeitarbeitsunternehmen können bei diesem Eingliederungsprozess mithelfen, nicht nur durch gezielte Einstellung von Arbeitslosen, die eine Weiterbildung absolviert haben. Sehen Sie einen Trend, dass Zeitarbeit künftig verstärkt auch für besonders qualifiziertes Personal eine noch stärker nachgefragte Beschäftigungschance darstellt? Alt: Der Vorteil für Zeitarbeitsfirmen ist, dass sie mit Weiterbildungsangeboten das Personal an ihr Unternehmen binden und den Vermittlungswert ihrer Mitarbeiter erhöhen. Zwar ist der Anteil der Zeitarbeitnehmer mit einem Fachhochschul- oder Hochschulabschluss immer noch gering. Doch mit der Verlängerung und schließlich Abschaffung der Überlassungshöchstdauer im Jahr 2003 öffnet sich der Zeitarbeitsmarkt auch zusehends für Akademiker. Halten Sie den von den Arbeitgeberverbänden iGZ und BZA sowie den DGB- Gewerkschaften angestrebten allgemeinverbindlichen Mindestlohn für einen sinnvollen Weg zur Sicherung von vertretbaren Arbeitsbedingungen in der Zeitarbeitsbranche? Alt: Die Wirkung von Mindestlöhnen hängt letztlich von deren Höhe ab. Ist er zu hoch, wird er zur Eintrittsbarriere gerade für Niedrigqualifizierte. Allgemeinverbindliche Mindestlöhne haben den Vorteil, dass sie in der Regel für ein existenzsicherndes Einkommen sorgen. Sie haben dagegen den Nachteil, dass sie nicht flexibel auf sich ändernde Marktbedingungen reagieren. Z direkt! Z direkt!

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