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Ausgabe 2/2009:

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interview Zeitarbeit

interview Zeitarbeit wird akademisch Z direkt! im Interview mit Prof. Dr. Ulrich Vossebein, Leitender Direktor des Hochschulzentrums für Weiterbildung (HZW) der Fachhochschule Gießen-Friedberg Prof. Dr. Ulrich Vossebein Nicht ganz so voll wie beim Juraforum in der Uni Münster ist es in Gießen: die 1. Gruppe des Lehrgangs besteht aus 24 Teilnehmern Nach dem überaus erfolgreichen Kampagnenstart zum neuen Ausbildungsberuf „Personaldienstleistungskaufmann/kauffrau“ mit bundesweit mehr als 1.200 Azubis arbeiten die drei Verbände der Zeitarbeit auch bei der akademischen Ausbildung für Personaldienstleister wieder zusammen. Im Herbst 2008 startete der zweisemestrige berufsbegleitende „Zertifikatslehrgang Personaldienstleistung“ an der FH Gießen-Friedberg. Er umfasst unter anderem die Inhalte Marktanalyse, Personalplanung, Kalkulation, Arbeitssicherheit und rechtliche Aspekte und stellt eine neue Qualifikationsmöglichkeit für interne Mitarbeiter von Zeitarbeitsunternehmen dar. Herr Prof. Vossebein, seit November letzten Jahres gibt es den Zertifikatslehrgang Personaldienstleistung. Warum haben Sie sich für den Studiengang engagiert? Der Bereich Personaldienstleistung wird zukünftig weiter an Bedeutung gewinnen, so dass die Anforderungen an die Mitarbeiter und Führungskräfte zunehmen werden. Unser Engagement in diesen Bereich entspricht unseren Zielen, in denen der Aufbau innovativer zukunftsträchtiger Weiterbildungsangebote fest verankert ist. Darüber hinaus ist es immer reizvoll, etwas neu mit kompetenten Partnern zu gestalten und damit Standards setzen zu können. Was ist das Besondere an diesem Lehrgang? Das Besondere des Angebotes ist insbesondere in 2 Aspekten zu sehen. Einerseits erfolgt hier eine ideale Verbindung zwischen klassischer Weiterbildung und einem berufsbegleitenden Studium. Die Inhalte des Zertifikatslehrgangs haben den Schwerpunkt im Personaldienstleistungsbereich, wohingegen in einem möglichen 2. und 3. Studienjahr die allgemeinen betriebswirtschaftlichen Inhalte stärker in den Vordergrund treten. Für die Studierenden bedeutet dies, dass, wenn sie sich nach dem Zertifikatslehrgang für ein Studium entscheiden, sie die bisher erbrachten Leistungen voll angerechnet bekommen. Dies trifft für die überwiegende Mehrzahl von „normalen“ Weiterbildungsmaßnahmen nicht zu. Die zweite Besonderheit ist in der Zusammensetzung des Dozententeams zu sehen, da dort sowohl Dozenten der Fachhochschule als auch Experten aus dem Bereich Personaldienstleistungen zum Einsatz kommen. Es kann somit für jedes Modul die „optimale“ Kombination von Dozenten ausgewählt werden. Wie ist der Studiengang bisher angenommen worden? Wie würden Sie die Teilnehmer beschreiben? Die erste Gruppe des Zertifikatslehrgangs besteht aus 24 Teilnehmern und ist einerseits sehr heterogen, andererseits aber auch sehr homogen. Die Heterogenität ergibt sich durch die unterschiedliche bisherige berufliche Entwicklung. Dadurch, dass es früher keine „standardisierte“ Ausbildung in diesem Bereich gab, kommen die Teilnehmer mit ganz unterschiedlichen Ausbildungsgängen zu dieser Branche. Homogen ist die Gruppe in Bezug auf die Wahl dieses Angebotes. Die Wahl eines Hochschulangebotes in Verbindung mit Kompetenzträgern aus der eigenen Branche gab es bisher nicht. Insgesamt sind alle Teilnehmer hoch motiviert in den Zertifikatslehrgang eingestiegen und konnten bisher auch beachtliche Ergebnisse in den Leistungsnachweisen erzielen. Der Zertifikatslehrgang steht allen Interessierten offen. Voraussetzung ist eine Eignungsprüfung, die schulischen Voraussetzungen spielen keine Rolle. Welche besonderen Herausforderungen erkennen Sie diesbezüglich? Der Zertifikatslehrgang steht allen Interessierten offen, da er als Weiterbildung und nicht als Studium angeboten wird. Für die Aufnahme eines Studiums muss dann eine Hochschulzugangsberechtigung vorliegen oder eine entsprechende Aufnahmeprüfung bestanden werden. Wir versuchen, in den Vorstellungen des Angebotes die Anforderungen so zu beschreiben, dass jeder für sich entscheiden kann, ob er hierzu in der Lage ist. Man sollte hierbei aber nicht zu ängstlich sein, da durch den Gruppeneffekt vieles geht, was alleine vielleicht zum Scheitern verurteilt gewesen wäre. Ein Vergleich mit anderen Studiengängen zeigt, dass auch dann, wenn die schulischen Leistungen doch nicht zu gut waren, auch ein Modul wie Mathematik (erst im Studium) zu bewältigen ist. Wir haben an der Hochschule auch immer die Möglichkeit, wenn in einem Modul zu große Probleme auftreten, durch Zusatztutorien weiter Unterstützung anzubieten. Wie bewerten Sie die Zeitarbeitsbranche als Instrument des deutschen Arbeitsmarktes? Aus meiner Sicht wird die Branche, wie bereits oben gesagt, zukünftig weiter an Bedeutung gewinnen. Die Zeitarbeit ist ein wichtiges Hilfsmittel, um auf Schwankungen in der Kapazitätsauslastung schnell und mit vertretbarem Aufwand reagieren zu können. Die immer stärkere Spezialisierung sowie die sich aus der demographischen Entwicklung ergebenden Reduktion der potenziellen Fachkräfte wird den Trend zur Zeitarbeit weiter verstärken. Die drei Verbände der Zeitarbeit haben zusammen ein neues Berufsbild initiiert, den/ die „Personaldienstleistungskaufmann/kauffrau“. Was halten Sie davon? Ich stehe diesem Berufsbild sehr positiv gegenüber, da damit der Beruf ein klareres Gesicht bekommt. Dies ist auch notwendig gewesen, um die Akquirierung neuer Mitarbeiter zu erleichtern und das Leistungsniveau der Auszubildenden besser mit anderen Berufsfeldern vergleichen zu können. Welche Position nimmt im Bezug auf den Ausbildungsberuf der Zertifikatslehrgang Personaldienstleistung ein? Der Zertifikatslehrgang bzw. der sich später anschließende Studiengang sind eine ideale Weiterbildungsmöglichkeit für diejenigen, die nach der Ausbildung weiter Lust auf strukturiertes Lernen haben. Ich gehe davon aus, dass man in ein paar Jahren im Bereich Personaldienstleistung die gleichen Strukturen finden wird, wie in anderen Branche, in denen z. B. Industriekaufleute und Diplom Betriebswirte bzw. Diplom Kaufleute parallel eingesetzt werden. Wie schätzen Sie die Zukunft des Zertifikatslehrganges ein? Ich sehe der Zukunft des Zertifikatslehrgangs sowie der Option des sich daran anschließenden Studiums sehr positiv. Ich gehe davon aus, dass durch die Erweiterung der Kooperation auf drei Verbände die Möglichkeit geschaffen ist, Standards für die akademische Ausbildung zu setzen und auch mittelfristig über ein entsprechendes Masterangebot nachzudenken. Im April trafen sich Vertreter von BZA, AMP und iGZ mit dem leitenden Direktor des Hochschulzentrums der FH Gießen-Friedberg, um ihre Zusammenarbeit dingfest zu machen: (v.l.) Dr. Jenny Rohlmann (iGZ), Julia Schäfer (wiss. Mitarbeiterin im HZW), Prof. Ulrich Vossebein, Wilhelm Oberste-Beulmann (BZA), Michael Hacker (iGZ), Mirco Melega (AMP) 18 19

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