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Ausgabe 2/2005:

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| 6 7 | Ausbildung

| 6 7 | Ausbildung Zeitarbeit und öffentlicher Dienst SO BEGEHRT WIE DER BANKKAUFMANN Vermittler qualifizieren und Vermittlung professionalisieren UNGENUTZTE POTENZIALE Kommunen schöpfen Möglichkeiten noch nicht konsequent aus Unter der Leitung von Bert Dijkhuizen besprachen die Mitglieder des iGZ-AK „Moderne Zeitarbeit“ gemeinsam mit Vertretern des BZA in Niedernhausen das weitere Vorgehen bei der Aus- und Weiterbildung des internen Personals. Zeitarbeit kann jeder? – In Großbritannien scheint man dieser Meinung zu sein. Ohne Prüfverfahren, ohne Genehmigung, einfach Schild an die Tür hängen und los geht’s mit der Arbeitnehmerüberlassung! In Deutschland ist das anders: Ein umfangreiches Antragsverfahren steht vor der vorläufigen und schließlich der endgültigen Erteilung der Genehmigung zur gewerblichen Arbeitnehmerüberlassung. Der Branche hat dies nicht geschadet, findet der Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ). Aber, das Antragsverfahren sollte aus Sicht des mitgliederstärksten Arbeitgeberverbandes noch deutlich vereinfacht und somit den betrieblichen Realitäten angepasst werden. Die voranschreitende Professionalisierung der Personaldienstleistungen inklusive Zeitarbeit in Deutschland einerseits und die kontinuierlich steigende Bedeutung der Branche für den Arbeitsmarkt andererseits machen die Notwendigkeit deutlich, dass sich auch die internen Beschäftigten der Zeitarbeitsunternehmen entsprechend qualifizieren. Bislang sind es meist Kaufleute für Bürokommunikation, Z direkt! Personalkaufleute und auch nicht selten berufliche Seiteneinsteiger, die als Personaldisponenten passgenau die Bedarfe von Kundenbetrieben und Arbeitnehmern zusammenbringen. Die hierzu notwendigen Kenntnisse haben sie autodidaktisch oder „on the job“ gewonnen. Oder anders ausgedrückt: Offiziell erlernen kann man Zeitarbeit nicht. Das Defizit heißt „fehlendes Berufsbild“ und der iGZ hat sich gemeinsam mit dem Trainingszentrum Zeitarbeit (TZZ) in Dortmund daran gemacht, einen entsprechenden Vorschlag auf den Tisch zu legen. Mit dem Curriculum für die Ausbildung zum Personaldienstleistungskaufmann ist hierfür der erste Schritt gemacht. Für die weiteren Schritte hat der iGZ neben dem TZZ auch noch den Bundesverband Zeitarbeit (BZA) gewinnen können – schließlich gehe es um einen Gewinn für die gesamte Branche und gegenüber den genehmigenden Institutionen sei es ein entsprechend überzeugendes Zeichen, wenn sich die beiden größten Arbeitgeberverbände auf ein gemeinsames Vorgehen geeinigt hätten. Die erklärten Ziele des neuen dreijährigen Ausbildungsberufs sind hoch gehängt: Der Personaldienstleistungskaufmann soll demnächst einmal so attraktiv sein wie der Bankkaufmann. Schließlich müsse ein angehender Personaldisponent neben seiner fachlichen Qualifikation auch jede Menge soft-skills mitbringen: Die Fähigkeit mit Menschen umgehen zu können, kann nicht gelernt, sie muss vorausgesetzt werden. Die grundlegende Ausbildung von der Schulbank zum Personaldienstleistungskaufmann – respektive -frau – ist das Eine. Den jetzt schon vorherrschenden beruflichen Realitäten in der Riege der Personaldisponenten Rechnung tragend, wollen iGZ und BZA darüber hinaus auch einen Weiterbildungsgang realisieren: Der Lehrgang zum Fachwirt Personaldienstleistung soll berufsbegleitend absolviert werden können. Gerade auch hierfür sieht der Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen ein enormes Potenzial, nicht nur für die Zeit, in der sich der Ausbildungsberuf noch in der Genehmigungsphase befindet. Es ist ein Szenario, wie es in jeder Kommune täglich vorkommen kann: Eine Kindergärtnerin wird kurzfristig krank. Die Kinder werden auf die bestehenden Gruppen aufgeteilt oder die Leiterin springt spontan ein. – Wie auch immer: Es bleibt eine Behelfslösung. Gemeinden im Rhein-Main-Raum gehen mit solchen personellen Herausforderungen innovativ und flexibel um. Sie organisieren für den Zeitraum der Krankheit eine Vertretung – über Zeitarbeit. Und: Sie haben gute Erfahrungen damit gemacht. Überhaupt ist Zeitarbeit im öffentlichen Dienst immer noch ein viel zu wenig diskutierter Ansatz, der gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Finanzlage vieler Kommunen und Gemeinden interessant sein könnte. Denn auf einmal tun sich auch im bislang nicht angetasteten, weil als alternativlose und feste Größe behandelten, Personalbudget Einsparmöglichkeiten auf. Der Bundesgeschäftsführer des Interessenverbands Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ) Werner Stolz hält gar einen Einsatz von Zeitarbeitnehmern in den Verwaltungen „überall, außer bei hoheitlichen Aufgaben“ für möglich und fragt: „Wieso sollte, was in Österreich, Frankreich und den Niederlanden gang und gäbe ist, nicht auch in Deutschland erfolgreich umgesetzt werden können?“ Doch immer noch halten sich die meisten Kommunen in diesen Bereichen zurück. Im Sinne einer langsamen Annäherung an dieses Thema könnte bei städtischen Tochtergesellschaften der Anfang gemacht werden. Gerade in Bereichen, die aufgrund ihrer Gebührenfinanzierung eine besondere Verpflichtung zum sorgsamen Umgang mit den eigenen Kostenstrukturen haben, sollte nach Ansicht des iGZ Zeitarbeit ein Thema sein. Etwa im westfälischen Münster bei den städtischen Abfallwirtschaftsbetrieben (AWM). Ein etwa 20-prozentiger Arbeitnehmerüberhang wird von der Geschäftsführung mit der Notwendigkeit begründet, nur so zügig Krankheitsvertretungen bereitstellen zu können. Für Stolz Grund genug für ein mediales Kopfschütteln: „Wenn ich höre, dass personelle Überkapazitäten im Abfallwirtschaftsbereich dauerhaft vorgehalten werden, verstehe ich das nicht. Warum wird dort nicht auf Zeitarbeit zurückgegriffen? Private Entsorgungsunternehmen machen das.“ Die Stadt Münster steht dabei der Zeitarbeit nicht grundsätzlich negativ gegenüber: „Die bisher gewonnenen Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Zeitarbeitsfirmen waren durchweg positiv. Für diese Firmen spricht, dass sie sehr zeitnah reagieren und regelmäßig qualifiziertes Personal zur Verfügung stellen“, macht der münstersche Oberbürgermeister Dr. Berthold Tillmann deutlich. Trotz dieser Erkenntnisse gibt es Kommunen, die noch konsequenter auf flexible Personaldienstleistungen von Privaten setzen. So plant Frankfurt den Einsatz von 20 Zeitarbeitern zur Aufstockung der städtischen Knöllchenabteilung und rechnet vor, dass sich die Oberbürgermeister Dr. Berthold Tillmann: „Gute Erfahrungen mit Zeitarbeit“ Arbeitnehmer bei 45 Anzeigen pro Tag nicht nur selbst refinanzieren, sondern einen jährlichen Gewinn von 188.000 Euro in die Kassen spülen würden. Nicht immer ist es jedoch mangelnde Bereitschaft der Kommunen, oftmals sind es auch die Personalvertretungen, die findigen Personaldezernenten einen Strich durch die Rechnung machen. Auch hier oft aus Unwissenheit – denn den wenigsten Personalräten ist es bekannt, dass Zeitarbeitnehmer von iGZ-Firmen nach Tariflöhnen bezahlt werden, denen die Gewerkschaft ver.di zugestimmt hat. Zurückhaltung gegenüber Zeitarbeit ist nicht neu und resultiert meist aus mangelnden Informationen. Absolut einmalig dürfte hingegen die Situation bei der Deutschen Bahn sein: Sie versucht Personal über eine eigene Zeitarbeitsfirma an den Markt zu bringen. DB Zeitarbeit heißt die Firma und sie überlässt Lokführer, Speditionsfachkräfte und Kaufleute für Bürokommunikation – alles ehemalige Bahnbedienstete und jeder Dritte Beamter. Beamte als Zeitarbeitnehmer – sicher kein Modell für die Zukunft, aber zumindest eine Skurrilität am Rande, die deutlich macht, dass auch im deutschen öffentlichen Dienst Vieles möglich ist. Z direkt!

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