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Ausgabe 2/2005:

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| 10 11 | Personal-Service-Agenturen Personal-Service-Agenturen KONTROVERSE DISKUSSION Erfolgsmodell oder Millionen-Flop? Kaum ein Projekt der Hartz-Gesetze wird in seiner Wirkung so kontrovers bewertet wie die Personal-Service-Agenturen (PSA). Vom Herz-Stück der Hartz-Reformen bis zum Millionen-Flop geht die Bandbreite der Charakterisierungen. Peter Hartz hatte als Kanzlerberater in seinem Konzept der Bundesregierung vorgeschlagen, die Vorteile der Zeitarbeit stärker auch für die Lösung der Arbeitsmarktprobleme einzusetzen: Mit Hilfe der Personal- Service-Agenturen sollte die Vermittlung und Weiterqualifizierung von Arbeitssuchenden sozusagen „ausgelagert“ werden – aus dem Zuständigkeitsbereich der Bundesagentur für Arbeit, deren Vermittlungsquoten sich im freien Fall befanden, und aus der Arbeitslosenstatistik. Hartz hatte zuvor bereits gute Erfahrungen mit der Zeitarbeit gemacht. In Wolfsburg, wo er bis zum Sommer 2005 als Personalvorstand bei Volkswagen Verantwortung trug, hatte er die konzerneigene Zeitarbeitsfirma Autovision gegründet, um Personalfluktuationen abfedern und Personalabbau sozial verträglich gestalten zu können. Mittlerweile gehört Autovision zu den Top-Ten der deutschen Zeitarbeitsunternehmen. Was auf dieser Ebene funktioniert, sollte auch für den deutschen Arbeitsmarkt – staatlich subventioniert – im Großen die Lösung darstellen: 100.000 Arbeitslose jährlich sollten durch dieses Instrument wieder in Arbeit vermittelt werden – nicht einmal 10.000 waren es im ersten Jahr. Bei Aufwendungen von 500 Millionen Euro in den Jahren 2003 und 2004 eine eher magere Quote, wie nicht nur viele Branchenkenner finden. Dabei klang zu Beginn alles so viel versprechend: „Wir erschließen mit den Personal-Service-Agenturen zusätzliche Möglichkeiten zur betriebsnahen Qualifizierung, entweder in der Entleihphase beim Entleiherbetrieb oder aber auch in den entleihfreien Zeiten, die in den Zeitarbeitsunternehmen, in denen der Arbeitslose beschäftigt sein wird, sinnvoll für Qualifizierung genutzt werden können“, erklärte Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement am 7. November 2002 im Deutschen Bundestag. Im Bundesarbeitsblatt 01/2005 klingt das selbst aus Clements Haus bereits bemerkenswert realistisch: „Wie erfolgreich Personal- Service-Agenturen (PSA) sein können, wird sich zeigen, wenn die Konjunktur anzieht.“ – Ein erfolgreiches Arbeitsmarktinstrument funktioniert jedoch nicht allein im Windschatten des Aufschwungs. Selbst innerhalb der SPD ist das Projekt „Personal-Service-Agentur“ nicht unumstritten. Bereits im März 2005 beklagte sich die Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen in der SPD in einem Bericht: „Die klassischen Instrumente der Arbeitsförderung wurden dramatisch zurückgedrängt, ohne dass die neuen Instrumente wie PSA oder Ich-AG wirklich greifen.“ Sogleich verkündete die CDU/CSU im Mai 2005, dass sie im Falle eines Wahlsieges bei der Bundestagswahl die PSA abschaffen wolle und dann – wohl nach juristischer Prüfung der Möglichkeiten – dass sie doch zumindest spürbar den Rotstift bei den Personal-Service-Agenturen ansetzen wolle. Es gibt jedoch auch Beispiele erfolgreich funktionierender Personal- Service-Agenturen. Immer dort, wo maßgeschneiderte Lösungen auf einen sehr begrenzten Arbeitsmarkt mit entsprechendem Potenzial treffen, kann das PSA-Konzept funktionieren. Eine flächendeckende Einführung jedoch scheint wenig Erfolg versprechend, wie auch die Maatwerk-Pleite im Jahre 2003 zeigte. Damals mangelte es dem niederländischen Zeitarbeitsunternehmen einfach an den Kontakten und speziellen Kenntnissen vor Ort. Die sind jedoch Voraussetzung für die anspruchsvolle Aufgabe der Vermittlung von Menschen, die eigentlich als schwer vermittelbar gelten. TEUERSTES INSTRUMENT Z direkt! sprach mit dem Direktor der Agentur für Arbeit in Essen, Udo Glantschnig. Was ist das Besondere an Personal Service Agenturen im Gegensatz zur allgemeinen Zeitarbeit? Ein ganz entscheidender Unterschied ist selbstverständlich, dass die Personal-Service-Agenturen ihre Zeitarbeitnehmer von uns zugewiesen bekommen. Sie können sich also nicht selbst aussuchen, wen sie vermitteln. Inwieweit besteht da die Möglichkeit für Arbeitslose wieder in das Berufsleben integriert zu werden? Hier in Essen haben wir eine der höchsten Eingliederungsquoten von bis zu 60 Prozent. Das ist im Vergleich zum Bundesdurchschnitt das Dreifache. Woran liegt das? Wir verleihen hier nicht die ganz schwierigen Fälle, sondern nur die, die auch eine Chance haben von externen Firmen angenommen zu werden. Für Langzeitarbeitslose ist das definitiv kein Weg. Für sie wird meist das Instrument der Arbeitsbeschaffungsmaßnahme gewählt. Damit sind sie besser gestellt. Und wir nebenbei auch. Das Modell der PSA ist das teuerste Instrument innerhalb unseres Wirkungskreises. Wie erklären sie sich, dass Zeitarbeit in den Niederlanden beispielsweise viel anerkannter ist, als in Deutschland? Das hat mit der Tradition in den Niederlanden zu tun. Dort gibt es die Zeitarbeit schon viel länger. Hier bei uns haben die Gewerkschaften strikt gegen sie gekämpft. Den Deutschen fehlte die Identifikation mit dem Unternehmen. Sie fanden es auch schrecklich nicht mehr dazu zu gehören. Früher hat das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz vorgesehen, dass ein Zeitarbeiter nicht länger als drei Monate in der Firma bleiben durfte. Danach musste er gehen oder fest angestellt werden. All diese Schranken gab es in den Niederlanden nicht. Seit 2004 gibt es diese Beschränkung aber auch in Deutschland nicht mehr. Wie sieht die Zukunft der PSA und der Zeitarbeit aus? Das ist schwer zu sagen. Die Zukunft der PSA ist stark an die Zeitarbeit allgemein gebunden. Sie beide beackern schließlich das gleiche Feld, was bedeutet, dass sie die gleichen Kunden haben. Aber entscheidend sind die allgemeinen konjunkturellen Bedingungen. Gibt es keine Arbeit, werden auch keine Zeitarbeitnehmer eingestellt. Es sind zumeist einfache Helfertätigkeiten, in die die Arbeitsuchenden von den PSA vermittelt werden können. Stimmen zur PSA „Letzte Chance für Personal- Service-Agenturen / Hartz- Instrument bringt nicht den erhofften Erfolg“ Stuttgarter Zeitung, 18. März 2005 „Die Bundesagentur für Arbeit verliert das Interesse an den Personal-Service-Agenturen“ Stuttgarter Zeitung, 4. April 2005 „PSA: Der Flop einer guten Idee“ Siegener Zeitung, 1. Juli 2005 „Die millionenschweren Flops mit dem Virtuellen Arbeitsmarkt und den Personal-Service-Agenturen [sind] jämmerliche Fehlversuche, zu Lasten bestehender Unternehmen und Arbeitsplätze auf privatwirtschaftlich organisierten Märkten nachträglich Fuß zu fassen.“ Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28. Juli 2005 „Wieder Hartz-Käse: PSA am Ende“ berlin-online, 30. Juli 2005 „Die Bilanz der PSA ist ernüchternd“ Westdeutsche Zeitung, 30. Juli 2005 „Die PSAs sind eine Einrichtung, auf die man verzichten kann, und ein nicht taugliches Instrument, um die Probleme auf dem Arbeitsmarkt zu lösen“, findet der hessische DGB-Landeschef Stefan Körzell.“ STERN vom 1.8.2005 „Union sieht sich von den Gewerkschaften bestätigt / CDU/ CSU-Fraktionsvize Pofalla: Ich-AG abschaffen und Rotstift an PSA ansetzen“ Frankfurter Allgemeine Zeitung, 3. August 2005 Z direkt! Z direkt!

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