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Ausgabe 1/2006:

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|8 9| Zeitarbeit aus

|8 9| Zeitarbeit aus Kundensicht Zeitarbeit aus Kundensicht SYSTEMLÖSUNG STATT EINZELMAßNAHMEN Z direkt! sprach mit André Huber, Personalleiter von L’ORÉAL Produktion Deutschland GmbH (Karlsruhe) Ein so großes Unternehmen wie L’ORÉAL Produktion Deutschland GmbH greift auf die Hilfe von Personaldienstleistern zurück. Wieso? Da kommen mehrere Komponenten zusammen. Zum einen greift unser Unternehmen sehr gerne auf die Erfahrungen zurück, die Personaldienstleister in ihrem Metier gesammelt haben. Nicht nur in der reinen Arbeitnehmerüberlassung, sondern auch im Bezug auf zum Beispiel Transfergesellschaften oder auch im Bereich Rekrutierung. Wir möchten gemeinsam mit dem entsprechenden Personaldienstleistungsunternehmen das Optimale für die L’ORÉAL Produktion erreichen. Das Zweite ist, dass wir bei komplexen Fragestellungen, bei denen es wirklich um einen L’ORÉAL-spezifischen Sonderfall geht, keine Systemlösung von der Stange möchten. Bei konkreten Projekten möchten wir nicht mit drei oder vier verschiedenen Personaldienstleistern zusammenarbeiten, sondern mit einem starken Partner, der die notwendigen Verbin André Huber Personalleiter von L´ORÉAL Produktion Deutschland GmbH (Karlsruhe) dungen und Beziehungen hat, um die gesamten Anforderungen abzudecken. Was bedeutet das konkret? – Wann greifen Sie auf die Hilfe von Personaldienstleistern zurück? L’ORÉAL Produktion macht das schon seit Jahrzehnten, weil wir grundsätzlich Auftragsspitzen mit Fremdpersonal abdecken. Unser Grundgedanke ist, dass wir versuchen, ein Auftragsminimumvolumen, mit dem wir fest rechnen, auch mit festangestellten Kräften abzudecken. Das, was „on top“ kommt – Auftragsspitzen, überraschende Dinge, die nicht planbar und abzusehen sind – werden über flexibles Personal abgedeckt. Außerdem haben wir unsere komplette Bewerberadministration outgesourct, die Entscheidungskompetenz verbleibt allerdings komplett in unserem Hause. Dadurch konnten wir uns von einer umfangreichen administrativen Aufgabe mit ca. 4.000 bis 5.000 Bewerbungen pro Jahr freischaufeln. Was erwarten Sie als Personalchef von Personaldienstleistern, mit denen Sie zusammen arbeiten? Es ist schwer, diese Frage kurz zu beantworten. Aber letztendlich geht es um das, was jeder Personaldienstleister heute schon weiß: Dass es wichtig ist, Seriosität und Kompetenz zu vermitteln. Ebenso bedeutend ist es, den Eindruck zu vermitteln, dass das Metier, in dem das Kundenunternehmen arbeitet, dem Personaldienstleister bestens bekannt ist. Konkret für uns bedeutet das, dass die Besonderheiten von L´ORÉAL Produktion von ihm erfasst werden. Unsere Individualität muss verstanden werden. Ein Personaldienstleister mit einer vergleichbaren Unternehmensphilosophie kann einen Beitrag dazu leisten, diesem Kundenunternehmen in der Umsetzung seiner Ziele zu helfen. Das sind wesentliche Aspekte, die auch immer unter dem Gesichtspunkt der Kosteneinsparung bzw. der Vermeidung von Mehrkosten zu sehen sind. Aber ein gutes Gefühl alleine reicht doch sicher nicht aus, oder? Natürlich nicht, so wichtig es auch ist: Gefragt sind außerdem eine hohe Qualität und Konstanz des Personaldienstleistungsunternehmens. Das Zeitarbeitsunternehmen muss wissen, dass es nicht nur einfach Lieferant ist, sondern, dass es gemeinsam mit dem Kundenbetrieb nach Lösungen bei bestimmten Sonderfällen sucht. Ein Wunsch dabei von unserer Seite ist, dass wir auch hier in Richtung System- lösung gehen. Wir möchten das klassische Arbeitnehmerüberlassungsgeschäft nicht isoliert betrachten, sondern einen Schritt weiter gehen und auch andere Dienstleistungen im Outsourcing-Bereich, Inhouse-Lösungen oder im Bereich der Administrationsvorgänge auf Personaldienstleister übertragen. Genauso müssen wir über Personalvermittlung und Outplacement-Beratung sprechen und auf Rekrutierung eingehen. Als nächsten Schritt müssen wir eventuell sogar im Bereich strategische Personalentwicklung gemeinsam Konzepte entwickeln und unsere Beziehungen soweit ausbauen, dass wir auch hier bestimmte Entwicklungs- und Trainingsaufgaben an Dienstleister vergeben. Das klingt sehr spannend. Könnten Sie uns denn konkrete Beispiele nennen? Sehr viele Industrieunternehmen haben heute eine Mitarbeiterstruktur, die den künftigen Anforderungen unseres schwierigen Marktes nicht ausreichend gewachsen ist. Einerseits besteht teilweise ein Personalüberhang, andererseits sind Teile der Belegschaft nicht ausreichend qualifiziert oder nicht in der Lage, mit aktuellen und künftigen Anforderungen mitzuziehen. Oft stimmt auch die Altersstruktur nicht. Ein Personalabbau in herkömmlicher Art löst die strukturellen Probleme nicht und entspricht auch nicht der hohen sozialen unternehmerischen Verantwortung, wie sie beispielsweise bei L’ORÉAL gelebt wird. Es gilt daher, gemeinsam mit Partnerunternehmen aus dem Personaldienstleistungsbereich, übergreifende Lösungsstrategien zu entwickeln. Dies heißt z. B. Entwicklung und Durchführung von umfassenden Qualifizierungsmaßnahmen, ggf. in Zusammenarbeit mit Kammern und Verbänden, Zurverfügungstellung von geeignetem flexiblem Personal zum Abfangen von Auftragsschwankungen und Überleiten von Beschäftigten in Arbeitsund Aufgabenbereiche gemäß deren Fähigkeiten. Im Vordergrund steht dabei eine Systemlösung und keine Folge von Einzelmaßnahmen. Ziel muss es sein, Arbeitsplätze insgesamt im Inland zu erhalten und eine Synthese der Interessen der unterschiedlichen Parteien zu erreichen. Dazu wird die Kompetenz, das Beziehungsgeflecht und das Fachwissen führender Personaldienstleister benötigt, um dies gemeinsam mit dem Kundenunternehmen zu erreichen. Wie schätzen Sie die weitere Entwikklung unserer Branche ein? Mir ist bekannt, dass die Zeitarbeitsbranche über viele Jahre hinweg einen wirklich sehr nennenswerten, positiven Zuwachs an Arbeitsplätzen verzeichnet. Insofern handelt es sich ganz klar um eine Wachstumsbranche. Auch der Abschluss von Tarifverträgen hat dem, Gott sei Dank, keinen Dämpfer gesetzt. Die Gewerkschaften haben letztendlich doch einen vernünftigen Abschluss gemacht, der für beide Seiten tragbar ist. Und ich sehe hier ganz klar eine weitere Positiventwicklung für die Zeitarbeit – kurzfristig. Mittel- und langfristig wird diese Entwicklung nur anhalten, wenn die Zeitarbeitsunternehmen einen globalen Ansatz wählen und nicht nur Arbeitnehmerüberlassung, sondern darüber hinaus auch andere Dienstleistungen anbieten, Partnerschaften aufbauen, Netzwerke gründen und als vollwertige potenzielle Partner der Industrie auftreten. Diesbezüglich muss sich noch viel tun, damit sich gerade auch mittelständische oder kleine Betriebe innerhalb der Zeitarbeitsbranche profilieren können. L’ORÉAL AG Die Konzernzentrale der L'ORÉAL Aktiengesellschaft hat ihren Sitz in Paris. Es gibt jeweils in den größeren Staaten eine Holding, die üblicherweise mit dem Landesnamen versehen ist, wie etwa L'ORÉAL Deutschland. L'ORÉAL ist ein vom Marketing dominiertes Unternehmen. Sein Hauptgeschäftsfeld liegt im Vertrieb von Kosmetikartikeln. Der Konzern fertigt die Produkte, die kreiert werden, in eigener Produktion dort, wo größere Absatzmärkte vorhanden sind. Dieser industrielle Bereich von L’Oréal ist dadurch ein eigenes Standbein des Konzerns. Es gibt weltweit mehr als 40 Fabriken. Hierzu gehört auch die L'OREAL Produktion Deutschland GmbH in Karlsruhe, deren Personalchef André Huber ist. Die Produktionsstätte hat zur Zeit über 500 Beschäftigte, zu denen auch eine größere Anzahl von Leasingmitarbeitern und Teilzeitbeschäftigten gehört. Dazu kommen noch weitere 50 Beschäftigte in Zentralfunktionen, die ebenfalls zum Campus gehören. Z direkt! Z direkt!

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