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Ausgabe 1/2006:

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|10 11| Ausblick

|10 11| Ausblick Ausblick ZEITARBEIT AUF´S RICHTIGE GLEIS SETZEN Wenn die Weichen in den ersten Wochen des neuen Jahres richtig gestellt werden, dann kann die Lokomotive Zeitarbeit als Frühindikator der Konjunktur weiter an Fahrt aufnehmen. Auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke der Flexibilisierung des Arbeitsmarktes stehen die Signale für die Wirtschaftsentwicklung im Prinzip auf Grün. Nun muss es gelingen, die Zeitarbeit auf den richtigen Gleisen zu halten. ZEITARBEIT IN ZAHLEN 430.000 Zeitarbeitnehmer gab es im September 2004 in Deutschland 2.500 Niederlassungen betreiben unsere iGZ-Mitglieder 1.000 Zeitarbeitsunternehmen sind mittlerweile iGZ-Mitglieder 60 % aller Zeitarbeitnehmer kommen aus der Arbeitslosigkeit 25 % aller Zeitarbeitnehmer sind Frauen – Tendenz steigend 1,5 % aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland arbeiten in der Zeitarbeit Im Zeitalter der Globalisierung ist es kein Wunder, dass Arbeit zum zentralen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Thema in Deutschland geworden ist. Zwischen höchstem technischen Standard und starker Exportorientierung einerseits und einem innerstaatlich stagnierendem Arbeitsmarkt andererseits ringen die Unternehmen in Deutschland um internationale Wettbewerbsfähigkeit. Größtmögliche Flexibilität in der Personalpolitik und kontinuierliche Leistungssteigerung der Mitarbeiter sind dabei zentrale Ziele, die mit professionalisierter Personalkompetenz verfolgt werden. Zeitarbeit wird deshalb zunehmend zu einem wichtigen Kristallisationspunkt bei der Entwicklung der Arbeit in Deutschland. Wie in einem Arbeitsmarkt-Labor werden hier neue Tendenzen der Personalarbeit entwickelt, erprobt und auf den Markt gebracht. Das atmende Unternehmen, schnelle Anpassung an Auftragsentwicklung und Marktnachfrage, Innovationsimpulse und Beweglichkeit in den Belegschaften – dies sind auch Ergebnisse unserer Personaldienstleistungen, die es weiter auszubauen gilt. Dabei gilt es zugleich, sorgsam auf die Strecke zu achten. Die erste entscheidende Weiche in diesem Sinne ist die Lohnentwicklung. Die vergangenen Monate haben gezeigt, dass gerade in den unteren Lohngruppen der Kostendruck für die Zeitarbeitsunternehmen am höchsten ist. Allerdings sollte es in dieser Lohndiskussion so etwas wie eine ethische Untergrenze geben. Daher ist klar: Der iGZ will keine bodenlose Lohnabsenkung, sondern stellt sich für die gesamte Zeitarbeitsbranche ein Einstiegslohn-Niveau vor, von dem Zeitarbeitnehmer grundsätzlich auch eine Familie ernähren können sollen. Ausdrücklich bekennt sich unser Verband zu der ethischen und sozialen Verantwortung, die gerade wir Unternehmer mit besonderer Personalverantwortung haben. Wir betrachten den Menschen in der Zeitarbeit nicht als Ware. Deshalb setzt sich der iGZ für einen allgemeinverbindlichen Mindestlohntarifvertrag nach dem Arbeitnehmerentsendegesetz zusammen mit dem BZA und den DGB- Gewerkschaften ein, um den drohenden Lohnunterbietungswettbwerb zu stoppen und seine Mitgliedsunternehmen nebst ihren Arbeitsplätzen effektiver schützen zu können. Fallen aufgrund von nicht nachvollziehbaren Vereinbarungen bei einzelnen Branchenakteuren die Löhne unter eine ethisch-moralische Untergrenze, dann steht der positive Ruf der gesamten Branche zur Disposition. Übersteigen andererseits bei bestimmten Tarifpartnern die Löhne eine wirtschaftliche Vernunftgrenze, so werden solche Tarife vom Markt gefegt werden. Soziale Verantwortung und wirtschaftlicher Markterfolg sind demnach Waagschalen, die es immer wieder mit Augenmaß und solidem Interessenausgleich mit den maßgeblichen gesellschaftlichen Kräften auszutarieren gilt. Die zweite Weiche, die die Lokomotive Zeitarbeit auf die Hochgeschwindigkeitsstrecke führen kann, ist die EU- Dienstleistungsrichtlinie. Entgegen den für den deutschen Arbeitsmarkt bedrohlichen Abwanderungstendenzen von Unternehmen ins Ausland sichert die Zeitarbeit den Erhalt von Arbeitsplätzen in Deutschland. Bei vernünftiger Entwicklung ist schon in naher Zukunft der Zeitpunkt erreicht, an dem die Zeitarbeit über eine Million Arbeitsplätze zur Verfügung stellen kann. Die Herausnahme der Zeitarbeit aus der EU-Dienstleistungsrichtlinie war eine wichtige Voraussetzung hierfür. Nur, wenn in Deutschland die Bedingungen festgelegt werden können, unter denen Arbeitnehmerüberlassung betrieben werden soll, können wir dauerhaft Lohn- und Sozialdumping auf unserem Arbeitsmarkt ausschließen. Zeitarbeit bringt alle Voraussetzungen mit, ein innovativer Hochgeschwindigkeitszug zu werden, der nicht nur ohne Verspätungen seine Strecken absolviert, sondern der auch passgenau die weiteren Anschlüsse organisiert. Diese Organisationsaufgabe wird auch immer wichtiger, denn der Faktor „Arbeit“ wird immer komplexer und nähert sich in seinen Grundstrukturen – Der Stefanie Wahl weist in ihrem Beitrag auf Seite 14 darauf hin – immer mehr der projekthaften Gestaltung in der Zeitarbeit an. Dies bietet wertvolle Chancen für weitere Imagegewinne der Zeitarbeit. Wenn zum Beispiel lebenslange Bindungen zwischen Mitarbeitern und Unternehmen im Schwinden begriffen sind, dann ist modernes Know-how zur Gestaltung auch der Arbeitsbeziehungen, wie es in der Zeitarbeit vorhanden ist, gefragt. Zeitarbeit hat für diesen Wandel der Arbeitsformen so etwas wie Werkstatt- oder Laborcharakter. Der Fahrplan 2006 wird also viele erfolgreiche Stationen enthalten, wenn die richtigen Weichen entsprechend gestellt sind. Wir können sehr zuversichtlich sein: Die Branche wird sich im laufenden Jahr so erfolgreich entwickeln, dass wir am Ende des Jahres 2006 sagen werden: Soviel Zeitarbeit war noch nie! VOLKER HOMBURG ist geschäftsführender Gesellschafter der ZIP Zeitarbeit + Personalentwicklung GmbH in Bremen. Seit 2005 ist er Bundesvorsitzender des Interessenverbandes Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ), dem mitgliederstärksten Arbeitgeberverband der deutschen Zeitarbeitsbranche. Zuvor verantwortete er im Bundesvorstand die Tarifpolitik. Z direkt! Z direkt!

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